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Wen ihr dann mal Kinder habt… Ein Reiseblogger erzählt

Wenn ihr dann mal Kinder habt…

… dann habt ihr Dieses verpasst, dann könnt ihr Jenes nicht mehr, dann hier und dann da. Wir Eltern haben mindestens einmal diesen Anfangssatz gehört. Aber gut, das ist dann eben so und wir haben uns natürlich alle darüber Gedanken gemacht, als wir unsere Kinder geplant haben. Natürich gibt’s auch die „Ungeplanten“, aber selbst da war’s dann eben auch schon unterwegs. Heute freue ich mich über meinen ersten (!) männlichen Gastautor, der uns erzählen wird, wie das so ist mit Kindern und Reisen.

Wenn ihr dann mal Kinder habt…

…dann ist es zu Ende mit dem Reisen.
 Wie eine Art Versprechen wird uns
da gebetsmühlenartig vorgebetet. Immer. Bei jedem Gespräch, dass
irgendwie die Nische „Kinder“ tangiert. Egal ob es ums Kinder kriegen,
Kinder unterrichten, Kinder betreuen, oder dem Kind auf dem Spielplatz
da drüben geht, das gerade in den Matsch gefallen ist.

Wenn ihr mal Kinder habt ist es vorbei!

Quasi mit Allem. Unvorstellbar, dass wir dann noch überhaupt irgendwas
im Leben tun könnten, was uns Spaß macht. Im Prinzip hängt die ganze
Existenz, im Sinne des Sinnes und des eigentlichen Lebens per se, am
seidenen Faden. Kinder sind in den Erzählungen quasi der Ursprung allen
Übels und die Quell’ allen Glücks in Personalunion.

Denn man könne ja nichts mehr Schönes tun, aber immerhin wäre Kinder
haben auch ganz schön.

Da möchte ich eigentlich immer den Zeigefinger heben und sagen: „Ähm..nö.“

Vielleicht bin ich auch vorgeschädigt. Dank beruflicher Irrungen und
Wirrungen beschäftige ich mit gute 2064 Stunden im Jahr mit Erziehung,
Pädagogik und Gedanken über die einzig wahre, korrekte Führung von
Kindern. Wenn es die denn gibt.

Und deswegen behaupte ich: Wenn ihr mal Kinder habt, ist das scheißegal.
Oder wie meine Freundin sagen würde: Wusstest du, dass man über 3000
Euro pro Kind nur für Windeln ausgibt? In Worten: Drei!tausend!

Ihr entscheidet, was möglich ist

Ja ja ja, schnell wird man in die Ecke der „schlechten Eltern“ gedrängt,
wo sich die ganzen erzieherischen Versager tummeln alla
„verantwortungslos“, „zu streng“ oder „zu überfordernd“ wenn man sagt,
dass man mit den ersten Schritten des Kindes auch die ersten Reisen
unternehmen wird.

Das sei viel zu anstrengend. 
Das sei auch überhaupt nicht gesund.
Das kann man so auch nicht machen und du stellst dir das ganz sicher zu
einfach vor.

Doch ich frage: Wo ist der Unterschied?
Ich musste als Kind fast eine Stunde mit dem Bus in die Schule fahren.
Jeden Tag, morgens wie nachmittags. Warum kann ich dann also nicht mit
dem etwas klapprigen Wackelbus zwei Stunden pro Tag quer durch Rumänien
kutschen, während ich bereits einen Groschen-Bilder-Roman zu Graf
Dracula durchblättere? Weil ich ein Kind bin, oder weil irgendjemand in
irgendeinem „Psychologie Heute“ meinte, das wäre nicht okay?
Als Kind bin ich nach meinen Hausaufgaben raus gegangen und habe bei
Wind und Wetter im Dreck Fussball gespielt, Grätschen gegrätscht und
Zweikämpfe gezweikämpft, um dann im Holzhäuschen des Spielplatzes
durchnässt den Regen abzuwarten. Aber wenn ich das mit meiner Familie in
einem Wohnmobil in New Jersey mache, ist es falsch? Nur weil ich 8 bin?

Stattdessen sollten Kinder lernen, ruhig sitzen zu können und bloss
nicht die Jeans dreckig zu machen. Reisen, das steht irgendwo zwischen
„Therme im Winter“ und „Badeurlaub in der Türkei All-inclusive MAGICE
LIFE CLUB HALLOOOHOOO!“ im Kalender. Irgendwas mit Reisen, das ist dann
wenn man Karten schreibt und Fotos mit der billigen Digitalkamera macht,
nur um sie dann auf irgendeinen Fotorahmen zu stellen. Beim nächsten
Familienfest klatscht man dann in die Hände und freut sich einen Ast,
wenn Tante Berta wieder fragt wo man denn schon wieder gewesen sei,
dieses Jahr.

Naja, zumindest war man nicht entdecken.
Nicht erleben.
Nicht verstehen.

Die ersten Schritte meiner Kinder sollen die ersten Schritte in die Welt
hinaus seien. Sie sind sicher langsamer als meine heute, und sicher auch
kürzer. Aber jeder Schritt bringt sie weiter hin zu ihrem Ziel: Einer
gelungenen Persönlichkeitsentwicklung.

Dabei lasse ich micht nich von Neidern, Blendern und Schwaflern
abbringen. Geht nicht – gibt’s nicht. Kinder können reisen, sie können
das wahrscheinlich sogar besser als Erwachsene. Sie wollen raus in die
Welt, in die Natur, in den Matsch und Dreck dieser Erde. Dabei ist es
völlig uninteressant, ob der andere 5-jährige jetzt Italienisch,
Englisch oder Spanisch spricht. Beim Spielen versteht man sich auch mit
Hand und Fuß.

Wenn ich mal Kinder habe

Wenn ich mal Kinder habe, werden sie Entdecker und Eroberer. Sie
entdecken Schätze, die nicht aus Gold sind, und erleben Dinge, die mit
keiner Videokamera dieser Welt festzuhalten sind. Ihre Augen werden groß
leuchten und ihre Münder aufklappen wie der Mariannengraben. An
Weihnachten wünschen sie sich nicht das neueste Legoset, sondern eine
Stirnlampe zum Entdecken der nächsten Höhle. Zum Geburtstag geht es nach
Budapest mit zwei engsten Freunden und nicht in den McDonalds in der
Herbertusstraße.

Meine Kinder werden glückliche Kinder.
Meine Kinder werden Reisekinder.

Wer ist eigentlich Florian?

Wenn man auf Florians Seite etwas über ihn und seinen Blog sucht, schreibt er: „Ein Blog. Über Reisen. Über Bier. Von mir ganz einfach.“ Ich finde seine „Schreibsprache“ total klasse und habe seinen Reiseblog leider erst entdeckt, als er sich bei mir gemeldet hat, um einen Gastbeitrag anzubieten. Florian ist Mid-20er, gebürtig aus er Nähe von München und lebt seit sechs Jahren in Wien. Sein Geld verdient er als Sozialpädagoge und dieses haut er auf seinen Reisen drauf. Und bloggt dann darüber. Ein lesenswerter Blog, den ihr hier findet. Vorbeischauen lohnt sich!

Viel Spaß beim Stöbern, bis morgen,

Simone

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