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Erzähl‘ mal, Mama!

Viele Mamas kennen das: Die Schwangerschaft, die Geburt, die ersten Tage und Wochen danach… Entweder ist alles supertoll oder man hat das Gefühl, man hat komplett versagt. Gerade beim ersten Kind weiß man oft nicht, was einen erwartet. Oder was richtig und was falsch ist. Man ist sich auch mit Ratschlägen oft unsicher und fragt manchmal erst gar nicht nach, weil man nicht blöd dastehen will.

Dass es aber für alles eine Lösung gibt und vor allem, dass die schlechten Tage noch lange kein Anzeichen dafür sind, dass man eine schlechte Mutter ist, möchte ich euch in meiner Serie zeigen.
Ich habe einige Mamas interviewt.
Jeden Sonntag erzählt hier eine Mama von ihrem ersten Kind: Von ihrer Schwangerschaft, von der Geburt und natürlich – vom Mamasein.

Erzähl mal Logo-horz

Wie alt warst du bei der Geburt? Ich war 28 Jahre alt 
Wie hast du entbunden? Ich hatte eine natürliche Geburt mit PDA am Ende
In welcher Schwangerschaftswoche kam dein Kind auf die Welt?
Mein Sohn kam in der 42. SSW zur Welt, also 10 Tage über seinem errechneten Geburtstermin.

Wie verlief deine Schwangerschaft? Falls du Beschwerden hattest, hast du vielleicht ein paar Tipps dagegen?
Oh ich hatte eine Traumschwangerschaft! Ich hatte wirklich keinerlei Beschwerden, im Gegenteil: So fit und gesund war ich vorher noch nie. Auch körperlich war ich bis zum Ende noch fit und gut zu Fuss, trotz vielen Kilos und einem dicken runden Bauch 🙂

Welche Erwartungen hattest du an die Geburt bzw. wie hast du sie dir vorgestellt? Hattest du spezielle Wünsche?
Ich muss sagen bis zu 38. SSW dachte ich noch, ich bringe Ihn mit einem Kaiserschnitt zur Welt. Hatte mich darauf seelisch und moralisch eingestellt….aber wie es im Leben ist, kommt es oft anders als gedacht und der kleine Wurm hat sich doch noch gedreht. Eigentlich habe ich mich darüber auch gefreut, ich wollte immer eine natürliche Geburt. Aber sich dann so spontan noch mal auf etwas anderes einzustellen war dann auch schwerer als gedacht. Naja, da ich aber bis zur Geburt doch noch länger Zeit hatte als vermutet, hab ich das alles dann doch wieder locker und entspannt sehen können. Ich dachte mir immer, wenn das andere geschafft haben, schaff ich das auch und irgendwie wird er auf jedenfall rauskommen 🙂 Ich habe mir eigentlich nur gewünscht, dass ich eine einfühlsame Hebamme an meiner Seite habe, die mich unterstützt, mir hilft, gut zu redet und was sie sonst noch so machen muss… Und natürlich dass wir beide gesund und munter aus dem Kreissaal weider heraus kommen. Okay der Papa natürlich auch, also wir drei!

Beschreibe die Geburt in max. drei Sätzen
Oh mein Gott. Ich dachte, ich sterbe.
– Nach der PDA: „Juhuuuu jetzt hab ich Kraft, jetzt kann es losgehen, ich kann es kaum erwarten.“
Dann ging alles ganz schnell und das größte Wunder und das Beste was uns je hätte passieren können hielten wir in unseren Händen.

Was würdest du im Nachhinein bei der Geburt anders machen?
Ich würde schon etwas früher ins Krankenhaus fahren. Von Wehenanfang einen Tag vor der Geburt am Morgen bis zur Geburt am nächsten Tag in der Frühe – das war einfach sehr sehr kräftezehrend und hat mich sehr geschafft. Ich dachte immer, wenn ich es tapfer so lange aushalte und erst dann gehe, wenn die Wehen in ganz kurzen Abständen kommen, dann geht es bestimmt im Krankenhaus ganz schnell. Aber naja wenn der Muttermund nicht mitmacht, dann muss man auch Stunden mit Wehen in kurzen Abständen noch eine Weile ertragen….


Erzähle etwas von den ersten drei Tagen als Mama
Anfangs war es einfach nur unglaublich, unglaublich wunderschön. Alles noch ein bisschen unrealistisch aber unvergesslich schön. Ich konnte gar nicht glauben, dass dieser schöne kleine Mann eben noch in meinem Bauch war, dass er unser Baby ist, unser kleiner Schatz. Ich habe ihn einfach nur stundenlang angeschaut, mit ihm gekuschelt und ihn geküsst…Naja, dann hat es leider mit dem Stillen nicht geklappt. Man nimmt sich Vieles vor, gibt sein Bestes und es klappt einfach nicht. Wenn das Kind nicht satt wird und die Brustwarzen sich schon entzündet haben, die Milch einfach nicht genug einschiessen möchte und die Tage nur aus Stillen, Abpumpen, Aufschreiben der Abstände, Wiegen und Messen bestehen und die Nächte schlaflos enden… dann sind die nächsten Tage sehr, sehr schwer. Das alles hatte mich ziemlich runtergezogen, das „alles richtig machen wollen“ klappte nicht, das Baby weinte weil es Hunger und Koliken hatte, die eigenen Schmerzen und das Gefühl einer Milchkuh… Nachdem wir gemeinsam die Anfangszeit überstanden haben und auf das Fläschen umgestiegen sind, die Koliken durch eine bestimmte Flasche und dem Besuch der Osteophatin weg gingen und sich meine Brustwarzen auch wieder erholt haben, konnten wir endlich nur noch das große Glück geniesen! Naja wie sagt man so schön, aller Anfang ist schwer… Wenn ich jetzt die Fotos der ersten ein bis zwei Wochen anschaue, kommt mir ein Wehmut auf, dass ich diese schöne, nicht wiederkehrende Zeit nicht richtig genießen konnte.

Wie war die Nachbetreuung durch die Hebamme? Würdest du deine Hebamme weiterempfehlen? Warum bzw. warum nicht? Was sollte man deiner Meinung nach bei der Suche nach einer Hebamme unbedingt beachten?
Hmm, eigentlich möchte ich dazu gar nicht viel sagen. Ich denke, das ist alles eine Symphatiesache. Bei meiner Hebamme und mir hat sie nicht gestimmt, leider. Mir fehlte das Gefühl von Einfühlung, Verständnis und die individuelle Hilfe. Ratschläge, was Statistiken sagen oder laut Ihrer Erfahrung am Besten ist,  aber ich/ wir nicht umsetzen können/wollen, helfen in manchen Situationen nicht. Im Gegenteil: Man setzt sich noch mehr unter Druck und zweifelt an sich, verschließt sich und traut sich nicht, nach weiteren Hilfen zu fragen. Das beantwortet irgendwie schon die nächste Frage. Ich finde, jeder muss sich seine passende Hebamme selbst auswählen. Auch wenn sie noch so einen guten Ruf hat – wenn die Bindung und das Vertrauen nicht stimmen, dann klappt es nicht. Ich werde das nächste Mal darauf achten, dass ich von Anfang an ein gutes Gefühl haben werde und dass ich weiß, ich kann mit allen Ängsten und Sorgen kommen, ich bekomme eine Antwort, die mir in meiner jetzigen Situation hilft und individuell auf mich abegstimmt ist. Natürlich sollte sie auch fachliche Qualifikationen haben, das möchte ich gar nicht abschwächen, aber mir persönlich hätten fachliche Informationen und Anregungen gepaart mit Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und Echtheit etc. mehr gebracht.

Wie sah dein Mama-Alltag in den ersten drei Monaten aus?
Stillen und Abpumpen, in den Schlaf schaukeln, Stillen, Abpumpen, Windeln wechseln, Stillen, in den Schlaf schaukeln…. Irgendwann wurde es entspannter und man kam sogar noch zu etwas Anderem 🙂 Fläschchen geben, in den Schlaf schaukeln, ein wenig ausruhen und den Haushalt machen (aber hält sich sehr begrenzt), kuscheln, „erzählen“, “ spielen“, Windeln wechseln, Spazieren gehen, Fläschchen geben, herumtragen, in den Schlaf schaukeln. Wenn der Papa nach Hause kam, habe ich einmal tief durchgeatmet und das große Wellnessprogramm gestartet – 15 Minuten duschen! Manchmal sogar eine kleine Auszeit, in der man einkaufen fährt und dann geht es schon weiter mit Fläschchen geben, bettfertig machen und ins Bett bringen. Im Großen und Ganzen kann ich sagen, man macht eigentlich zu 99% nichts anderes als die Bedürfnisse des Kleinen zu deuten und zu erfüllen.

Wie siehst du die Entwicklung deines Kindes? Hast du es oft mit anderen Babys verglichen und gemerkt, dass dein Kind noch nicht so weit ist? Wie war dein Gefühl dabei und was hast du daraus gelernt?
Dazu muss ich vorab eines sagen: Ich bin Erzieherin und höre mich heute noch sagen, wie ich an ach so vielen Elterngesprächen gesagt habe: „Machen Sie sich keine Sorgen, jedes Kind entwickelt sich anders und nach seiner Zeit. Früher oder später wird es klappen. Die einen sind in der Motoik weiter und schneller und die anderen eben im sprachlichen Bereich oder im sozialen Miteinander…!“ Ja und jetzt zum eigenen Kind: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich habe mich an meinen Ratschlag erinnert und mich daran gehalten. Auch ich habe geschaut, was können andere Babys im gleichen Alter. Habe verglichen, wie groß/klein, schwer/leicht sie sind. Einerseits verunsichert das einen und man macht sich vielleicht Sorgen „Hey, warum kann meins das nicht?“ Aber mit der Zeit habe ich das entspannter gesehen. Ich vergleiche noch heute und schaue mir die Unterschiede der Entwicklungen an und lese auch mal nach, was in welchem Alter der nächste Entwicklungsschritt ist – aber ich mache mir keinen Druck mehr. Ich beobachte und nehme es wahr und warte und beobachte bei meinem Kleinen, wie er es macht und ob er es macht. Mit Ideen und Anregungen unterstütze ich ihn, so gut ich es kann und freue mich wenn er von sich aus den nächsten Entwicklungsschritt macht.

Wo hast du dir Rat geholt, wenn du etwas wissen wolltest?
Den größten Rat, die größte Unterstützung und Hilfe habe ich durch meine Familie gehabt. Egal, was ich nicht wusste, sie haben es mir gesagt. Egal, was ich nicht konnte, sie haben es mir gezeigt. Egal, wie sehr ich gezweifelt habe, sie haben mich bestärkt und egal, wann ich sie gerbaucht habe – sie waren da!! Auch eine große Hilfe zum Austausch und zu neuen Anregungen war der immer noch anhaltende Kontakt mit meinen Mamis aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Wir treffen uns selbst nach einem Jahr jetzt immer noch regelmäßig und können uns immer ehrlich und offen über alles austauschen, darüber bin ich sehr froh! Für alles rund um Gesundheit und vorallem Homöopathie habe ich sehr gute Ansprechpartner in meiner Apotheke im Dorf, da bin ich einfach sehr zufrieden! Im Internet nach Antworten zu suchen, davon wird abgeraten, weil man einfach zu schnell auf Antworten stößt, die viel dramatsicher sind, als es sein könnte. Aber natürlich google auch ich nach vielen Dingen!

Was hat dich komplett überfordert als Mama? Gab es einen Punkt, an dem du dachtest, es geht nicht weiter? Was war das und was würdest du diesbezüglich anders machen bzw. welche Lösung hast du gefunden?
Defintiv das Stillen!! Das hat mich emotional und körperlich so beeinflusst und mir viele kostbare Momente genommen, dass ich mich Sicherheit sagen kann, dass ich es beim nächsten Kind nicht noch einmal versuchen werden. Zu sagen, die Lösung ist „Gebt alle Fläschchen“, das möchte ich definitiv nicht, das muss jeder selbst entscheiden. Ich kann nur raten, dass jeder auf sich schaut. Darauf schaut, wie es einem selbst und dem Kind geht, mit was kann man leben und mit was nicht und danach zu handeln und nicht nach Normen und Ratschlägen anderer.

Wie stehst du zum Thema „Impfen“? Hattest du diese Meinung schon immer oder hat diese sich durch das Kind geändert? Und warum?
Die Meinung zum Impfen habe ich schon immer und zwar sage ich mir:  Das, was früher schon gut war und sich bis heute bewährt hat, das ist auch heute noch gut. Und so haben wir uns für die Impfungen entschieden, die wir als Kind/Baby vor vielen Jahren auch bekommen haben. Impfungen gegen Grippe, Windpocken, Zecken, Hepatitis kann das Kind, wenn es älter ist, gemeinsam mit uns als Eltern mitüberlegen und entscheiden aber jetzt als Kleinkind finde ich es bei Weitem nicht notwendig.

Was möchtest du den werdenden oder frischgebackenen Mamas noch gerne sagen?
Herzlichen Glückwunsch zum schönsten Geschenk, das es auf der Welt gibt. Jeden Moment genießen, genießen, genießen, denn die Zeit rennt viel zu schnell. Sich nicht schämen, Hilfe und Ratschläge einzuholen und anzunehmen. Sich keine Vorwürfe machen, wenn etwas nicht gleich klappt oder wenn man sich in einem Moment ertappt, an dem man nicht denkt „Oh wie toll ist das alles“, das gehört dazu – wir sind doch auch nur Menschen, denen einmal Kraft und Nerven ausgehen! Aber im Endeffekt wissen wir, wie sehr wir unser Kind lieben und dass wir alles für das Kind tun würden.

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