Alltag

Mama hört schlecht

LISA

 

Heut möchte ich mich outen: Ja, ich bin schwerhörig!

Für alle, die es noch nicht wussten:
Ich bin seit meiner Geburt schwerhörig, trage in beiden Ohren ein Hörgerät und komme mit denen auch prima klar. Wenn ich sie rausnehme, geht gar nix mehr, dann ist „Welt aus“! Ist aber in vielen Situationen nicht ganz so schlecht 😉

Ich erzähle euch deshalb davon, weil es oft vorkommt, dass mich Leute fragen: „Du, Simone, du bist doch schwerhörig? Wie machst du das eigentlich dann mit dem Kind?“

Eins mal vorweg: Es ist egal, ob man hört oder nicht hört. Man kann sich immer um sein Kind kümmern. Nur eben jeder auf seine Art und Weise. Und da die Technik heutzutage sehr fortgeschritten ist, ist das sowieso kein Problem mehr. Nur die Krankenkassen, die liegen mit ihren Fortschritten noch ganz weit hinten. Aber dazu später.

Also, wie schon gesagt: Sobald meine Geräte draußen sind, höre ich fast gar nichts mehr. Das heißt also, wenn ich mit Wasser zu tun habe, also schwimmen, duschen oder baden. Oder wenn ich schlafe. Und oft auch, wenn ich einfach keine Lust mehr habe, was zu hören. Wenn wir also ins Schwimmbad gehen, setze ich meine Uralt-Geräte ein, weil ich ja auch etwas mitbekommen will. Mit denen höre ich zwar nicht so wahnsinnig gut aber bei denen wäre es mir egal, wenn da ein bisschen Wasser drankommt (an dieser Stelle die Info, dass Hörgeräte NICHT wasserdicht sind).

Wenn ich schlafe, ist es so, dass es ein spezielles Babyphone gibt, das mit meinem Wecker in Verbindung ist. An meinem Wecker steckt ein Vibrationskissen, welches unter meinem Kopfkissen liegt. Gleichzeitig kann dieser Wecker auch blitzen. Das Babyphone steht also bei Levi im Zimmer und ist so eingestellt, dass es ab einer gewissen Lautstärke Signale an meinen Wecker sendet und dieser fängt dann an zu blitzen (worauf ich nicht reagiere, ich sehe das im Schlaf irgendwie nicht). Mein Vibrationskissen vibriert dann um sein Leben und lt. meinem Bettnachbarn, also meinem Liebsten, wackelt dann das ganze Bett. Die gewisse Lautstärke ist deshalb regulierbar, weil die Signale nicht gesendet werden sollen, wenn Levi nur niest oder sich im Bett bewegt. Sondern erst dann, wenn er weint.

Das Babyphone
Das Babyphone

Wenn ich unterwegs bin und im Hotel oder woanders übernachte, habe ich das Babyphone dabei und nehme mir ein mobiles Vibrationskissen mit. Das lege ich mir dann unter mein Kissen und das funktioniert dann genauso wie daheim. Dieses mobile Teil kann ich auch an der Hose festmachen, wenn ich zum Beispiel in der Wohnung unterwegs bin und keine Geräte im Ohr habe.

Das mobile Teil
Das mobile Teil

Die andere Variante ist ein Blitzer, den ich in Steckdosen stecken kann. Davon sind mehrere in der Wohnung verteilt und diese sind ebenso mit dem Babyphone verbunden. Sobald das Geschrei also losgeht, blitzt es aus der Steckdose. Ich benutze die Blitzer nur selten und habe sie meistens abgesteckt. Wenn ich mir so vorstelle, dass sie nachts alle losgehen, wenn Levi weint… sieht für die Nachbarn, die unsere Wohnung sehen können, sicher komisch aus.

Der Steckdosen-Blitzer
Der Steckdosen-Blitzer

Alle drei Endgeräte, also mein Wecker, das mobile Teil und der Steckdosenblitzer können mir neben dem Babygeschrei auch „sagen“, dass es brennt. Sie sind auch mit unseren Rauchmeldern verbunden. Ebenso kann ich sehen, dass es geklingelt hat, dass das Telefon klingelt und dass Wasser in der Wohnung ist (dafür braucht man ein extra Gerät bzw. einen Sensor).

Eigentlich wollten wir am Anfang nur das Babyphone „Watch & Care V130“ von Audioline. Mir war eben wichtig, dass das Babyphone vibrieren kann, da ich darauf am besten reagiere. So weit so gut. Da ich als Hörgeschädigte Anspruch auf einen Zuschuss von der Krankenkasse habe, habe ich eben einen Antrag gestellt. Dieser wurde abgelehnt, weil es kein Gerät ist, welches sie auf ihrer sogenannten Liste haben. Am Telefon haben sie mir gesagt, dass Vibrationskissen bzw. -geräte nicht bezahlt werden, sondern nur die Blitzgeräte. Ich habe erklärt, dass es ja zu meiner und vor allem zur Sicherheit meines Kindes gehört, dass ich ein Vibrationsgerät habe, weil ich darauf reagiere. „Tja, dann kann man wohl nichts machen!“. Es gibt bei denen wohl so „Festgeräte“, die bezahlt werden. Da wir aber von diesem Babyphone sehr überzeugt waren (u. a. da mit Videoüberwachung), haben wir es trotzdem gekauft.

Eine Weile später haben mir meine Eltern (auch hörgeschädigt) ihre neue Lichtsignalanlage (so nennt sich das Ganze) präsentiert. Diese wurde von der Krankenkasse voll bezahlt. Inklusive Vibrationskissen! Inklusive mobiles Teil. Und das war die gleiche Krankenkasse! Also habe ich selbst recherchiert und denen nochmal geschrieben, dass es ja wohl nicht sein kann, mir zu sagen, Vibrationsgeräte würden nicht bezahlt. Danach bekam ich plötzlich meine gewünschten Sachen. „Leider“ gab es sie nur im Gesamtpaket. Also mit Blitzern und allem drum und dran. Ich hätte nur den Wecker, das Babyphone und das mobile Teil gebraucht. Mit dem Audioline-Babyphone hätte ich denen für einen Preis von ca. 100 Euro eher einen Gefallen getan, aber sie wollten wohl unbedingt mehr bezahlen. Naja… kranke Kasse eben!

Den gleichen Kampf habe ich auch mit meinen Hörgeräten. Alle sechs Jahre habe ich Anspruch auf neue, die auch von der Kasse gezahlt werden. Die Kasse zahlt da einen Zuschuss von ca. 800 Euro (ich weiß es nicht genau) pro Gerät. Den Rest zahlt man dann eben drauf oder man sucht sich sogenannte „Kassengeräte“ aus, die kosten nichts. Quasi das billigste Zeug, mit dem ich persönlich nicht klarkomme. Ich  hatte lange den Wunsch, „Im-Ohr-Geräte“ zu tragen und als das endlich möglich war, habe ich nicht lange gefackelt und diese auch genommen. Und mit denen bin ich echt glücklich. Mit „Hinter-Ohr-Geräten“ habe ich mich sehr unwohl gefühlt. Ich habe die Haare nie geschlossen getragen, weil ich nicht wollte, dass man sie sieht. Es war mir unangenehm.
Ich war der Meinung, dass die Krankenkasse ruhig den vollen Preis der neuen Geräte (knapp 3000 Euro) zahlen konnte. Schließlich fühle ich mich damit wohl und komme damit klar.
Die Kasse hat natürlich abgelehnt, weil diese Geräte unter den Punkt „Schönheitsaspekt“ fallen und ich bekam nur den Zuschuß, auf den ich Anspruch hatte. Ein ganz klarer Fall von Riesensauerei. Aber mit uns kann man’s ja machen!

Aber das ist eine lange Geschichte. Ich wollte euch einfach mal einen Einblick in das Leben einer Mama mit Hörgeräten geben.

Wenn euch noch etwas interessiert diesbezüglich, lasst mir einen Kommentar da, ich beantworte euere Fragen gerne 🙂

 

Bis zum nächsten Mal!

 

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