Alltag

Klugscheißerei

Kennt ihr sie auch? Nervige Erziehungs-Klugscheißer, die bei einem Brüller sofort wissen, ob das Kind Hunger hat, müde ist, die Windel vollhat, oder dass ein Zahn kommt?
Oder die Besserwisser aus der ersten Reihe, die natürlich anhand des Bäuerchens auf das Alter, die Körpertemperatur und die Kaka-Beschaffenheit schließen können?

Egal ob man möchte oder nicht, ständig hört man irgendwo schlaue Sprüche und Ratschläge, meistens auch noch in völlig unpassenden Momenten. Gerne schaltet der Klugscheißer auf hohe Lautstärke um, damit die Menschen in der Umgebung noch mitbekommen, dass man als Mutter absolut keine Ahnung hat. Da kann man nur lächeln, sich sonstwas denken und weitermachen….

Auch ich höre oft genug Sprüche. Welche das sind und wie ich damit umgehe, erfahrt ihr in meiner Serie „Klugscheißerei“.

Heute: „Schläft er nachts durch?“

Wer kennt das nicht? Man ist mit dem Kinderwagen unterwegs, das Kind liegt friedlich drin, brabbelt vor sich hin oder schläft und dann begegnet man irgendwelchen Menschen. Menschen, die man gar nicht kennt. Menschen, die einen über irgendjemanden kennen. Menschen, die man einmal irgendwo gesehen hat. Die Person hat sich noch nicht mal so weit vorgebeugt, dass sie das Kind sehen kann und schon wird gefragt: „Uuuuuhuuund, schläft er nachts duuuurch?“ Diese Frage begleitet Eltern ab dem ersten Tag in Freiheit, also wenn man zum ersten Mal außerhalb vom Krankenhaus unterwegs ist.

Wird ein Baby von der Gesellschaft nur als „brav“ angesehen, wenn es nachts durchschläft? Egal, wie alt es ist? Gilt man als schlechte Mutter, wenn das Kind nachts stündlich nach Milch schreit? Oder weil man es „hungrig ins Bett legt und es deshalb nicht durchschlafen kann“? Oder bin ich eine Rabenmutter, weil mein Kind „mit drei Monaten in seinem eigenen Zimmer geschlafen hat und es nachts weint, weil es allein ist“?

Ich habe mich ziemlich oft mit diesen Fragen beschäftigt. Vor allem dann, wenn ich auf diese eine Frage mit „Nein, tut er nicht“ antworten musste und nur ein „Mhm“, gefolgt von einem Nicken, zurück bekam.
Als ich dann irgendwann mit „Ja“ auf diese Frage geantwortet habe, kam meistens ein „Was? Wirklich? Mensch, das ist ja toll“. Oder direkt an den Kleinen „Ja sowas, du schläfst schon durch, ja priiiiiiiiiiiiima“, *streichelstreichel*.

Okay, mein kleiner Mann hat mit drei Monaten schon durchgeschlafen. Das mag ja für die (meist kinderlose) Gesellschaft wahnsinnig toll sein. Aber es war auch schwierig. Ich habe nachts sehr oft kontrolliert, ob er wirklich schläft und ob er noch atmet und ich habe mir oft gewünscht, dass er nachts dreimal nach mir schreit. Wenn ich fünf Stunden durchgeschlafen habe und um 3.55 Uhr wach wurde, war ich erstmal leicht in Panik. Blick aufs Babyphone (wir haben eins mit Kamera) oder ins Kinderzimmer und alles war wieder okay.

Hinzu kommt, dass ich nicht mehr gestillt habe und Flaschenkinder schlafen bekanntlich einfach früher durch.

Liebe Gesellschaft. Ihr glaubt gar nicht wie nervig diese Frage sein kann. Ihr steht vor einer Mama, die zum ersten Mal ein Kind bekommen hat. Sie platzt vor Stolz, weil sie weiß, dass ihr jeden Moment ihren kleinen Schatz im Kinderwagen sehen werdet. Da erwartet sie natürlich ein „Oh Gott, das ist ja das schönste Kind der Welt“. Oder ein „Und, alles gut? Wie geht’s Euch?“. Von mir aus kanns auch ein „Und, hat’s wehgetan?“ sein… Aber bitte spart euch diese Durchschlaf-Frage. Und wenn ihr sie doch stellen müsst, dann lasst die Mama immer wissen, dass sie eine Supermama ist. Auch wenn das Kind nachts jede halbe Stunde kommt – oder gar nicht schläft! Keine Mama soll sich für ein nicht-durschlafendes Baby rechtfertigen müssen!

 

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