Sonstiges

Klugscheißerei

Kennt ihr sie auch? Nervige Erziehungs-Klugscheißer, die bei einem Brüller sofort wissen, ob das Kind Hunger hat, müde ist, die Windel vollhat, oder dass ein Zahn kommt?
Oder die Besserwisser aus der ersten Reihe, die natürlich anhand des Bäuerchens auf das Alter, die Körpertemperatur und die Kaka-Beschaffenheit schließen können?

Egal ob man möchte oder nicht, ständig hört man irgendwo schlaue Sprüche und Ratschläge, meistens auch noch in völlig unpassenden Momenten. Gerne schaltet der Klugscheißer auf hohe Lautstärke um, damit die Menschen in der Umgebung noch mitbekommen, dass man als Mutter absolut keine Ahnung hat. Da kann man nur lächeln, sich sonstwas denken und weitermachen….

Auch ich höre oft genug Sprüche. Welche das sind und wie ich damit umgehe, erfahrt ihr in meiner Serie „Klugscheißerei“.

Heute: „Der hat doch bestimmt Hunger!“

Es war ein sehr warmer Freitag im Mai, Levi war knapp vier Monate alt und wir waren schon eine Weile in der Stadt unterwegs, die hohen Temperaturen waren für mich als Mama noch neu und für den Kleinen sowieso.

Ich wollte noch schnell in den Baumarkt, um Blumen für einen Geburtstag zu besorgen als Levi im Auto anfing zu weinen. Im ersten Moment war mir nicht ganz klar, was es sein könnte und mein Mamahirn schaltete auf die Liste um: Flasche hatte er gerade schon, könnte seine Windel voll sein?, könnte ihm zu warm sein?, tut ihm etwas weh?…

Das Weinen war mittlerweile schon etwas lauter.
Da es nicht mehr weit zum Baumarkt war, habe ich beschlossen, dorthin zu fahren und auf dem Parkplatz zu schauen, was mit dem Kleinen los war. Es herrschte „morgen-geht-die-welt-unter-ich-muss-einkaufen“-Freitagsstimmung, der Parkplatz war voll und ein Weiterkommen nur sehr langsam möglich. Als ich endlich einen Parkplatz im hintersten Eck hatte, habe ich den Kleinen aus dem Auto geholt und versucht, ihn zu beruhigen. Er schrie mittlerweile wie am Spieß und ließ sich auch nicht durch die Flasche, die ich versuchshalber gemacht habe, beruhigen. Mir blieb also in dem Moment einfach nur, ein bisschen herumzulaufen, ihn zu tragen und ihm dabei etwas zu erzählen. Das war für mich auch okay so und ich war mir sicher, dass es gleich wieder vorbei sein würde.

Ich beobachtete nebenher das rege Treiben auf dem Parkplatz und bemerkte eine ältere Frau, die ein paar Parkplätze weiter an ihrem Auto stand und uns mit diesem „ach-diese-jungen-Mütter-heutzutage“-Blick anschaute. Ich zählte im Kopf 3… 2… 1… und zack, kam schon der Satz: „Der hat doch bestimmt Hunger!“. Was machst du in dem Moment? Freundlich bleiben oder genervt sein? Ich entschied mich für die erste Variante und rief freundlich zurück: „Nein, hat er sicher nicht. Ist alles okay, ist sicher gleich vorbei!“ Das war wohl in Ordnung für sie, denn sie widmete sich wieder ihrem Einkauf und dem Kofferraum und brachte dann ihren Einkaufswagen weg.
Als sie zurückkam, Levi weinte immer noch, fragte sie: „Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“. Ich habe mich in diesem Moment gefragt, ob das ihr voller Ernst ist, mir in diesem Moment smalltalkmäßig diese Frage zu stellen, während ich versuche, mein weinendes Kind im jungsblau-farbigen Outfit wieder in den Normalzustand zu bringen.

Die Antwort habe ich mir natürlich gespart. Und der Kleine hat sich natürlich auch wieder beruhigt.

2 Kommentare

  1. Also ich bin ja selbst keine Mama, aber selbst ich bekomme diese Besserwisser-Sprüche öfter mal aufs Auge gedrückt.

    Mein absoluter Super-Gau:

    Montag morgen, zu spät aufgewacht, beim Aufstehen direkt mal in Katzenkotze getreten. Ins Bad gehüpft (ich wollte ja die Katzenkotze nicht noch überall verteilen), Fertig gemacht, Beim Runtergehen festgestellt, dass irgendeines der 6 Haustiere vor die Haustür gepinkelt hat (kommt davon, wenn man verschläft und am Abend vorher nicht nochmal mit den Hunden Gassi war), Pipi aufgewischt, noch ein Stockwerk runter in die Küche gelaufen, Müll wieder eingeräumt (die Katzen müssen irgendwas gesucht haben?), Katzen gefüttert, Hunde fertig machen für den Arbeitstag (beide Wuffis dürfen mit ins Büro), Geldbeutel verschwunden – nicht auffindbar, Handy hat übrigens über Nacht nicht geladen (was für sich allein schon ein Grund ist völlig Amok zu laufen…). Egal, trotzdem losgehen.
    Kurze Gassirunde bevor es ins Auto geht. Die Hunde ziehen und schnüffeln und sind chaotisch wie eh und je.

    — Achtung! Bis hier hin ist es ja ein fast normaler Morgen (also bei mir…) —

    Nach der Gassirunde (die schon Nervenaufreibend genug ist) Hunde ins Auto gesetzt. Mich hinter das Steuer geschwungen, Schlüssel rumgedreht. Leider lassen sich keinerlei Motorgeräusche vernehmen. Mist! Auto anscheinend kaputt (woran es lag, wollte ich in dem Moment nicht ermitteln. War sowieso schon 30 Minuten zu spät zur Arbeit!).

    Hunde wieder raus aus dem Auto, gesittete Gassi-Stellung einnehmen, Richtung Arbeit loslaufen. Mit insgesamt 60 Kilo tobenden, zähnefletschenden Hunden an dem Nachbarshund (Yorkshire Terrier, ungefähr 5 Kilo schwer…) vorbeihechten. An der Hauptstraße angekommen versucht Hund Nr. 1 jeden Menschen zu begrüßen, Hund Nr. 2 dagegen versucht vor jedem Auto, Fahrrad etc zu flüchten. Muss dann natürlich noch ein Angsthäufchen, bleibt aber keine 2 Sekunden sitzen, dass ich das Ding wieder mit Beutelchen von dem Gehweh kratzen kann.

    Meine Nerven sind zum zerreißen gespannt. Ich kann mich aufgrund aller vorhergehenden Ereignisse nicht entscheiden, ob ich heulen oder hysterisch lachen soll. In diesem Moment beugt sich ein netter Herr über seinen Gartenzaun und fragt mich lapidar, ob ich vielleicht heute ein wenig überfordert bin.

    Mein Blick hat ihn dann allerdings schweigen und flüchten lassen…

    GLG

    Limettchen

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