Die ersten 6 Monate

Stillpremiere – Die Milchbar ist eröffnet

Nach fünf Tagen im Krankenhaus durften wir endlich nach Hause, unter der Bedingung, die nächsten Tage nochmal vorbeizukommen, um die Gelbsucht zu kontrollieren, die Levi mittlerweile leider hatte. Diese war dann aber Gott sei Dank nach ein paar Tagen wieder weg. Leider hatte die Gelbsucht an diesen Tagen alles unter Kontrolle – auch das Stillen.
Da natürlich das Stillen für mich auch noch neu war, war mir erstmal nicht so ganz bewusst, wie viel und wie lange so ein Baby trinkt. Im Krankenhaus war immer jemand da, der das unaufdringlich überwacht hat und in den fünf Tagen war auch alles soweit in Ordnung. Auch, dass er pro Seite nur fünf Minuten getrunken hat und danach wieder eingeschlafen ist. Zu Hause ging das auch erstmal so weiter, daran war die Gelbsucht Schuld und für mich war das auch in Ordnung, solange er danach zufrieden war.  Der Hebamme war das aber leider zu wenig und sie setzte uns beide somit etwas unter Druck und hielt mir immer wieder vor, er müsse bis zu seinem zehnten Lebenstag sein Geburtsgewicht wieder haben. Für mich auf gut deutsch: „Zwing‘ dein Kind, versuch‘ alles, damit es trinkt“. Als Anfängerin hält man sich natürlich an die Tips eines Profis – Wenn der Kleine beim Trinken einschläft, klopf‘ ihm auf den Rücken (das war ja noch okay) oder zieh‘ ihn am besten aus, dann wird er eh wach (….es war Februar und er war ein paar Tage alt). Ich hatte ständig ein schlechtes Gefühl dabei, ihn wieder wach zu kriegen und auch für mich war das ein wahnsinniger Kampf, wenn mein Kind nachts um zwei beim Trinken einschläft und ich alles versuche, um ihn wach zu bekommen, ständig im Kopf dieses „Na komm‘, wach auf, trink noch was“. Natürlich wurde brav ein Stillprotokoll- wie viel, wie lange und welche Seite – geführt, das der Hebamme beim nächsten Besuch mit dem „Hoffentlich-passt-das-so“-Gefühl vorgelegt wurde.  Natürlich hatte sie den Verdacht, dass ich nicht genug Milch hatte, also wurde erstmal abgepumpt, damit man auch sieht, wie viel er trinkt. Also, ran‘ an die Milchmaschine und dann schön ins Protokoll eintragen.
Im Nachhinein kann ich nur sagen – alles umsonst gewesen! Ich habe schnell gelernt, dass er immer so viel getrunken hat, wie er wollte und wenn er satt war, dann war er satt. Und wenn er eingeschlafen ist, dann wollte er eben schon nach einer Stunde wieder trinken und nicht nach den üblichen zwei. Und dann waren es eben 25ml oder auch mal 100ml. Und das war dann auch okay! Sein Geburtsgewicht hatte er dann nach zehn Tagen übrigens auch wieder.

Im Allgemeinen habe ich mir das Stillen immer so toll vorgestellt, man sieht auf „Stillbildern“ immer eine glückliche und gutaussehende Mutter, die ihr Kind im Arm hält, angedockt an die Brust und dabei selig lächelt. Ich kann dazu nur sagen, dass die Realität für mich ganz anders aussah. Alle zwei Stunden hatte der Kleine Hunger, man ist von der Geburt noch ziemlich platt, hat Schlafmangel bzw. man schläft selber gerade oder man liegt gerade gemütlich auf der Couch und denkt sich einfach nur „Ach nee, nicht jeeeeeetzt“. Also, hoch das Shirt, ein bisschen Gefummel am Still-BH, erstmal ein Tuch reinstecken, Stillhütchen drauf (es ging bei mir leider nicht ohne) und dem schreienden Kind den Weg zur Brust zeigen. Dann fällt mir auf, dass das Handy oder die Fernbedienung nicht in Reichweite sind (das Kind hatte seine Beschäftigung und Löcher in die Luft starren war für mich nicht so spannend), wurschtel Gewünschtes irgendwie mit den Füßen zu mir, immer mit einem Auge beim Kind, damit es ja nicht gestört wird und wenn er fertig war, hatte ich erstmal die Sauerei, die so ein Stillhütchen verursacht, zu beseitigen – mit einer Hand, versteht sich.

Stillen ist wirklich eine tolle Sache und wenn man es kann, sollte man es auch machen (und es auch dürfen, vor allem in der Öffentlichkeit, da sollte mehr Toleranz gezeigt werden) aber es ist auch eine große Herausforderung für mich gewesen!

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